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8,00 EUR
inkl. Porto und Verpackung
DVD5
V.Ö.: 04.10.2004
Bestellnr.: BAUKAU004
EAN: 4260059650045
PAL
Regionalcode 0
Bildformat 16:9
FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit ca. 84 Minuten
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Im Osten geht die Sonne
auf

Leben mit dem FC Energie Cottbus

Ein Film von Wolfgang Ettlich
Der Fußballclub Energie Cottbus hat es tatsächlich
geschafft – man ist Mitte des Jahres in die deutsche
Kicker-Eliteliga, die 1. Bundesliga, aufgestiegen. Nun will
die Stadt Cottbus dem sportlichen Triumph auch den wirtschaftlichen
Erfolg folgen lassen.
29. Mai 2000: "Energie, Energie... !" Fast alle
der 114 000 Einwohner waren auf die Straße gegangen
um "ihre Energie" zu feiern. Gemeinsam schleppten
sie eine schwere Aluminiumstange wie eine Reliquie durch die
Stadt: Die demontierte Torlatte des Tores, in das der Cottbusser
Spieler VASILE MIRITUA, ein Rumäne, vor einer Stunde
den Ball zum entscheidenden 2:0 gegen den 1. FC Köln
befördert hatte, hatte längst seine Reise in die
Unsterblichkeit begonnen.
Oberbürgermeister Kleinschmidt, seit langem Präsidiumsmitglied
des Vereins, sieht – ganz Politiker – die Gewinnchancen
für Cottbus zunächst ganz nüchtern auf wirtschaftlichem
Gebiet. Die sportliche Erstklassigkeit und der damit verbundene
höhere Bekanntheitsgrad der Stadt werde bei der Suche
nach neuen Investoren für die Region helfen. Konkreter
werden die Hoteliers. Ihnen winken zumindest an den Spieltagen
deutlich erhöhte Umsätze. Das Gleiche gilt für
den Einzelhandel, die Gastronomie, die Souvenirverkäufer
usw.
Firmen aus ganz Deutschland planen anlässlich der Begegnungen
mit Spitzenteams wie Bayern München, Bayer Leverkusen
oder dem Hamburger SV "Incentive-Reisen" nach Cottbus
und groß angelegte "Events" mit parallel laufenden
Tagungen vor Ort. Der Region mit ihren offiziell 16% Arbeitslosigkeit
(die wahre Zahl soll eher irgendwo zwischen 20 und 30% liegen)
wird dieser "Hoffnungsfunke" von allen Seiten gegönnt.
Durch den starken Arbeitsplatzabbau im Braunkohlebergbau,
in Kraftwerken und in der Textilindustrie hat Cottbus viele
Einwohner verloren. 1989 – zur "Wiedervereinigung"
der beiden Deutschland – wohnten noch 130 000 Menschen
in der Stadt, heute sind es nur noch 110 400.
Der Film soll über die Dauer der gerade angelaufenen
Fußballsaison beobachten, wie der Aufstieg des Fußballvereins
FC Energie Cottbus das Leben und die politische Stimmung in
der Region verändert. Er soll das tun, indem er Cottbusser
beobachtet, die direkt oder indirekt vom Aufstieg betroffen
sind und große Erwartungen in die kommende Bundesligasaison
haben. Das sind Menschen aus dem Fußballverein, aus
der Siedlung Zuschka und zwei Kleinbetriebe, eine Gaststätte
und eine Fleischerei.
Die Fußballer aus der Mannschaft sollen den "roten
Faden" bilden. Sie stehen enorm unter Erwartungsdruck,
denn sie sind indirekt verantwortlich für Erfolg und
Mißerfolg und damit auch für die politische Stimmung
in der Region.
Zum einen ist das MOUSSA LATOUNDJI aus dem Benin (Afrika),
der schon seit einem Jahr in Cottbus lebt und schon einige
Erfahrungen hat mit den gesellschaftspolitischen Ausschreitungen
gegen Ausländer – dennoch ist er in Cottbus geblieben.
Zum anderen ist das TORALF KONETZKE, der einzige Cottbusser
im Kader, der aus Köln zurückgekommen ist, um im
äußersten Osten von Deutschland wieder fußballzuspielen.
Er kennt die Mentalität der Cottbusser in- und auswendig
und ist aktiv in der Fan-Betreuung tätig.
Auf der anderen Seite stehen die Cottbusser, wie z.B. MICHAEL
und SIMONE, Kioskbesitzer in der Plattenbausiedlung Zuschka
mit ihren Stehausschankgästen. Hier spiegelt sich die
ganze gesellschaftspolitische Realität in Cottbus wieder.
Die meisten in der Siedlung sind arbeitslos oder ABM-ler.
Sie identifizieren sich mit dem Verein und sehen den Aufstieg
eher als "Kampfansage" gegenüber dem Westen.
Einige gehen nicht mehr zu Energie – da nur noch wenige
Deutsche in der Mannschaft spielen. Jeden Sonnabend bzw. Sonntag
wird bei "Happy Hour" Preisen – Wodka/Lemon
2.00 Mark – die Lage von Energie diskutiert. Die Stimmung
ist rechtslastig!
INGE, ist seit 30 Jahren Bedienung in der "Sandower Bierstube"
und wurde schon zu DDR-Zeiten zur "Bedienung des Jahres"
gekürt. Ihre Gaststätte kann nur aufgrund der Treue
von Stammgästen und der extrem niedrigen Preise existieren.
Das Bier kostet DM 1.50, und wenn die Kohlroulade nicht DM
6.95, der Matjes mit Bratkartoffeln nicht DM 7.50 und das
Schnitzel mit Pommes nicht für DM 8,00 zu haben sind,
würden die Gäste nicht mehr kommen. Jetzt hofft
sie auf neue Gäste, und vor allem auf mehr Umsatz und
mehr Verdienst.
HARTMUT JENDE ist Fleischermeister und war schon zu DDR-Zeiten
d e r Sponsor des Vereins. Er schmiert nun alle zwei Wochen
mehrere hundert Mettwurstbrötchen und Schmalzstullen
und versorgt somit die Fans mit Essen und Trinken. Er könnte
zum Gewinner der Bundesligasaison werden und hofft dadurch
weitere Arbeitsplätze und Lehrstellen zu schaffen.
CHRISTIAN UHMA, ehemaliger Straßenbahnfahrer, Vorruheständler
und Vorsitzender der Laubenkolonie "Zum frischen Duft".
Er ist seit Jahrzehnten Energie Fan und ist glücklich
darüber, dass Cottbus nicht nur durch die Ausländerfeindlichkeit
berühmt wurde, sondern auch jetzt durch den Aufstieg
und eventuell in der Zukunft auch durch Überraschungserfolge
des FC Energie. Er setzt auf mehr Selbstbewußtsein für
die ganze Region. Er wird aus seinem Schrebergarten heraus
die Lage in Cottbus kommentieren.
Eine Saison lang, von August 2000 bis Juni 2001 begleiteten
wir die Cottbusser mit der Kamera und zeigen, wie sie mit
Sieg und Niederlage umgehen.
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